Meine Eindrücke von Ecuador

Aufbrechen ist zu wenig. Mutig weitergehen!

Maria Mazarello

Montag, 24. Dezember 2007

Weihnachten in Cuenca

Weihnachten am anderen Ende der Welt ist auf alle Faelle ein anderes als das unsere. Zum Einen fehlen die Weihnachtskekse (deshalb habe ich hier einige gebacken :) ) und der Schnee, zum Anderen feiern wir hier in der lateinamerikanischen Welt mit ecuadorianischer Mentalitaet!! Die Villancicos (Weihnachtslieder) sind mit viel Rythmus und froehlichem Gesang, die Krippen werden mit vielen bunten Lichtern verziert (fast schon kitschig), es gibt riesige Festumzuege in jeder Stadt und ich erlebte in der Schule und im Oratorium mehr als fuenfzehn Weihnachtsspiele, die die Verkuendung des Engels, den Besuch Marias bei Elisabeth, die Herbergssuche, die Geburt Christi und die heiligen drei Koenige beinhalteten. Jeden Tag gut vorbereitet von einer anderen Gruppe gespielt.


Meine Arbeit in den weihnachtlichen Vorbereitungen war vor Allem das Zusammenstellen von "Fundas de Caramellos" fuer die armen Kinder. Zusammen mit meiner Voluntaersfreundin Sofía fabrizierte ich mehr als tausend Weihnachtssackerln mit Suessigkeiten, aber auch mit Kleidung und Essen. Gestern am Nachmittag kamen viele arme Menschen der Strasse, um die Geschenke entgegenzunehmen. Buben mit Material zum Schuheputzen, Maedchen mit juengeren Geschwistern und zerschlissener Kleidung und Frauen und Maenner, die grosse Beutel mit sich schleppen, die ihren ganzen Besitz beinhalten.


Heute Abend werde ich das cuencanische Weihnachtsfest erleben, auf das ich mich schon freue, jedoch im Gedanken an meine Familie und meine ferne Heimat! Ich wuensche euch allen schoene, besinnliche und friedliche Weihnachten in Oesterreich und einen guten Start ins Jahr 2008!!!

Sonntag, 16. Dezember 2007

Fotos de Sigsig-ein kleines Dorf in der Naehe Cuencas



Das Wetter und die Landschaft in der Sierra :) meistens herrscht in der Frueh eisige Kaelte, zu Mittag Hitze und am Nachmittag verschwindet die Sonne und macht dem Regen Platz!!


Die Spezialitaet der Ecuadorianer: GUÍ
auf Deutsch: Meerschweinchen :)
mit Kartoffeln und Salat .


Eine Frau vom Campus, die ihre Tiere nach Hause bringt. Wir befanden uns hier auf einer Bruecke und beobachteten gerade Frauen, die ihre Kleider im Fluss waschen.

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Aufgaben im Oratorium und anderes

Wie schon erwaehnt, kommen in unser Oratorium "Corazòn de Maria" jedes Wochenende 800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Katechismusunterricht, Alfabeticaciòn, Obra Social, Fussball- und Basketballspiel. Viele sind aus armen Verhaeltnissen oder von der Strasse, einige, um gemeinsam zu spielen und zu arbeiten.
Ich leite am Samstagvormittag einen Musikkurs, mit dem Unterrichtsfach Violine (am Samstag bekamen wir auch zwei Violinen!!) und einer Chorgruppe. Die Kinder sind mit Begeisterung dabei, singen aus voller Kehle zur Zeit weihnachtliche Lieder und meinen drei Geigenschuelern bringe ich die wichtigsten Grundbegriffe der Violine bei. Meine Geige ist auch bei den Sonntagsmessen im Einsatz :)
In "Taller de manualidades" (Bastelkurs) haben wir jeden Sonntagvormittag ein anderes Programm. Zur Zeit basteln wir eine Weihnachtskrippe aus Klopapierrollen, in den vergangenen Wochen fabrizierten wir Freundschaftsbaender, einen Rosenkranz, eine Box fuer Stifte, Rasseln und vieles mehr, manche Kinder verkauften ihre Freundschaftsbaender fuer Essen.
Fuer mich ist die Zahl der jugendlichen und erwachsenen Helferinnen und Helfer beeindruckend - es sind ueber 80 Personen - die sich freiwillig mit Enthusiasmus und Eifer zur Verfuegung stellen. Ohne sie wuerde die Institution nicht funktionieren!

Viele Menschen hier in Ecuador sind sehr arm. Als wir in der vergangenen Woche Leute vom Land besuchten, sah ich zum Einen materielle Armut. In den Doerfern "Principal" und "Guel", wo es weder asphaltierte Strassen, noch Haeuser aus Ziegel gibt (die Haueser sind aus Erde gebaut), sitzen die Frauen am Strassenrand und flechten Sombrerohuete, die sie fuer 5 $ verkaufen (zwei Huete - 10 $ - sind das Einkommen einer Familie fuer eine Woche!) . Da sie oft bis in die Nacht ohne Licht diese Huete fabrizieren, haben sie im Alter vielfach Probleme mit ihren Augen. Zum Anderen fiel mir im Dorf "Sigsig" in einem Telefoncafè eine junge Frau auf (17/18 Jahre), die geschwollene Augen und eine gebrochene Nase hatte. Die Schwestern erzaehlten mir darauf hin, dass Gewalt in der Familie hier in Ecuador normal ist und viel praktiziert wird. Die Frau ist das schwaechere Geschlecht und hat sich zu untergeben. Sieben von zehn Frauen erleben Gewalt ihrer Ehemaenner.

Da bei uns wieder einmal das Internet ausfaellt, kann ich Fotos leider erst ein anderes Mal veroeffentlichen :)
Ich wuensche euch eine schoene und besinnliche Adventzeit von der anderen Seite der Welt!!