Meine Eindrücke von Ecuador

Aufbrechen ist zu wenig. Mutig weitergehen!

Maria Mazarello

Donnerstag, 27. März 2008

Mein letzter Bericht


Frisch aus Ecuador in die Berge Tirols zurückgekehrt und meinen Einsatz in Gedanken revuepassierend bleibt es mir nur DANKE zu sagen.

Meine Reise nach Ecuador war eine Erfahrung des Aufbruchs und des Heimkommens. Die Türen öffneten und schlossen sich in einem schnellen Tempo, in dem ich von einer Welt in die andere schritt. In dieser Zeit lernte ich viele verschiedene Menschen kennen, lebte in einer fremden Kultur, hatte Herausforderungen zu bewältigen und durfte vor allem die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Ecuadorianer empfangen. Egal wie wenig manche Menschen dort besitzen, sie lehrten mir das Leben als ein Geschenk zu betrachten und es mit Liebe und Fröhlichkeit zu füllen. In meinem Herzen hat dieses Land mit all meinen Erfahrungen einen besonderen Platz bekommen, die mein Leben hier in Österreich prägen.

Zum Schluss möchte ich mich bei euch, meinen Lesern, bedanken, die ihr mich meine Reise über begleitet und mit euren Beiträgen immer wieder ermuntert habt weiterzugehen, und mir das Gefühl gabt, auf meinem Weg nicht alleine zu sein!

Mittwoch, 20. Februar 2008

Eine besondere Freundin


Hier in Ecuador erlebe ich viele schoene Begegnungen, jedoch meine schoenste Erfahrung ist die Freundschaft mit einem Maedchen, das in unserem Haus arbeitet, die ich jeden Tag zu spueren bekomme. Heute moechte ich euch von meiner Freundin Gloria erzaehlen:

Glori ist eine junge Frau mit 22 Jahren, seit August arbeitet sie in der Comunidad "Corazón de Maria". Aufgewachsen in einem kleinen, armen Dorf mit dem Namen "Guel" besuchte sie die Grundschule, bis ihre Mama, Mutter von acht Maedchen, an ihren Beinen erkrankte. Da die Familie kein Geld hatte, beschloss Glori fuer ein Jahr einen Voluntariatseinsatz in Guaranda (Ecuador) zu machen, um die Familie mit einem Essen weniger zu entlasten. Einkommen der Familie: Zwei Strohhuete - 10 $ in der Woche. Zurueck vom Voluntariat besuchte Glori das "Colegio" in Quito und nebenher arbeitete sie in der "Comunidad Salesiana" in Quito. Heute ist sie von 05:30 bis 16:30 Uhr in unserer Comunidad "Corazón de María" beschaeftigt, ab 17:00 besucht sie die Universitaet Cuencas "Comunicación". Ferien gibt es fuer sie auch zu Weihnachten nur ein/zwei Tage, von Wochenenden keine Rede. Nichts desto trotz ist Glori immer froehlich, singt in der Kueche, gibt freiwillig in der Schule Katechismusunterricht und nimmt ihr Leben selbst in die Hand. Sie moechte arbeiten, eine Karriere starten und ihren Kindern Moeglichkeiten zur Bildung, zu einem Leben ohne Hunger bieten koennen. Fuer mich ist Glori eine bewundernswerte junge Frau, die mit ihren Geschichten und Erlebnissen ein Buch fuellen koennte.


In letzter Zeit sprach ich mit Glori viel ueber die Migrationsstroeme, die von Ecuador aus in die USA, Spanien und Italien gehen. Auch in unserem Oratorium ist es ein brisantes Thema. 150 Kinder der Schule "Sor Teresa Valsé" haben ein oder beide Elternteile im Ausland, die arbeiten und Geld schicken. Glori erzaehlte mir, dass viele junge Menschen ihres Dorfes (400 Einwohner) nach Nordamerika auswandern. Allein in ihrer Familie befinden sich sechs Cousins in der USA. Burschen, die sich 12 000$ fuer die fuerchterliche Reise ausleihen, die bis zu einem halben Jahr dauern kann und nicht selten in den Tod fuehrt. Hier eine unglaubliche Summe!

Die Reise beginnt an der Kueste Ecuadors versteckt im Schiffsrumpf zwischen Koffern und Taschen. Drei Wochen verharren sie hier mit wenig Nahrung, Sauerstoff und ohne Gepaeck. Angekommen in Guatemala heisst es abzuwarten, bis die Migrationskontrollen freie Bahn geben (keine Ruecksicht nehmen), um den Trip nach Mexiko im Flugzeug oder Auto fortzusetzen. Bis zur Wueste Mexikos gelangen sie im Auto, die Wueste durchqueren sie jedoch zu Fuss, drei Tage ohne Essen, ohne Trinken. Frauen, Kinder, junge Burschen und Maenner. Die groesste Huerde ist ein Fluss an der Grenze Mexikos zur USA, den sie bei Nacht schwimmend ueberqueren muessen. Da viele Ecuadorianer nicht schwimmen koennen, scheitern sie an diesem Fluss und werden zurueck in die Heimat geschickt. Dem Rest steht ein Leben in Verachtung und voller harter Arbeit bevor, Freunde Glorias erzaehlen, dass die Hunde besser behandelt werden.

Als Aussenstehende bin ich der Meinung, dass es ein viel zu grosses Risiko und eine Dummheit ist, unter den Umstaenden als Illegaler/e ins Ausland auszuwandern. Familien gehen in die Brueche, Kinder wachsen ohne Eltern auf, der Staat Ecuador kann sich ohne die jungen Menschen nicht weiterentwickeln und wir sprechen hier von einem hohen Risiko des eigenen Koerpers. Nicht wenige sterben waehrend der lebensgefaehrlichen Reise oder der entwuerdigenden Arbeit. Im Blinkwinkel eines Ecuadorianers ist es eine andere Geschichte: ein junger Bursch sieht das Geld, das der Vater nach Hause bringt, das er hier in zehn Jahren nicht verdient (Glori verdient fuer 70 Stunden in der Woche 100 $), sieht die Lebensbedingungen, die einem in der USA, in Europa geboten werden und geht dafuer viele Kompromisse ein.

Montag, 21. Januar 2008

Die MUSIK in meinem Voluntariatseinsatz


Ich schreibe diesen Beitrag, da die Musik in meinem Voluntariatseinsatz eine ganz besondere Bedeutung hat. Angefangen bei meiner Reise nach Ecuador im Flug HOUSTON – QUITO. Zufaellig hatte ich einen Sitzplatz neben einer Gruppe junger Musiker, die sich gleich zu meinen Freunden erklaerten. Ecuadorianische Musiker mit einer deutschen Violinistin – deshalb auch keine Probleme mit der Verstaendigung. Sie spielten mir ihre CDs vor und zum Abschluss schenkten sie mir ihre aktuelle CD (“PapaChango”, um Werbung zu machen!) und stellten sich als Reisefuehrer Ecuadors zur Verfuegung. Weiter ging es in Quito, wo ich eine ecuadorianische Pianistin kennenlernte, Carolina, mit der ich ein Konzert fuer die Schwestern Quitos veranstaltete, das zu einem Erfolg wurde. Vom Flug QUITO – CUENCA ist mir das Zusammentreffen mit den Musikern der Mercedes Sosa, einer argentinischen Saengerin, in Erinnerung, die mich gleich zu ihrem Konzert in Cuenca einluden. So sammelte ich, angekommen in meiner Mission, schon sehr viele musikalische Erfahrungen, doch sie sollten erst der Anfang sein.

Am selben Tag noch trug Sor Inés, meine Ansprechschwester, in meinen Stundenplan fuer Samstag “Taller de Musica” (Musikkurs) ein und mir wurde aufgetragen, einen Chor zu halten und den Kindern Musikinstrumente naeherzubringen. Dabei gab es jedoch anfangs einige Schwierigkeiten:
1. war mein Spanisch noch nicht sehr ausgereift und ich verstand zwar einzelne Woerter, jedoch nicht ganze Saetze, 2. hatten die Lieder Texte, jedoch keine Partitur, 3. standen uns ausser einem Keyboard, Rasseln und zwei Gitarren ohne Saiten keine weiteren Instrumente zur Verfuegung. So suchte ich mir Gehilfen und gemeinsam gruendeten wir Musikunterricht in Gitarre, Klavier und Violine fuer insgesamt 45 Kinder und Jugendliche. Es wurden Instrumente gekauft und von Samstag zu Samstag lernten wir neue Lieder im Chor, meine Geigenschueler begannen leere Saiten zu streichen und im Gitarren- und Klavierunterricht (die Victor und Davíd halten) ging es voran. Ich habe heute neun Schueler, aufgeteilt auf Vormittag und Nachmittag, die leichte Stuecke spielen koennen. Mit viel Motivation und Begeisterung kommen sie jeden Samstag, spielen auf unseren zwei gekauften Violinen (fuer je 60 $) und lernen dabei die Musik naeher kennen.

Auch bei den Sonntagsmessen mache ich tolle musikalische Erfahrungen. Jeden Sonntag darf ich mit der Musikgruppe des Oratoriums die Messe gestalten, was mir sehr viel Spass macht und als Hoehepunkt meiner Woche gilt. Meine Musikfreunde schenkten mir sogar eine KEMA (ecuadorianische Floete) und kopierten mir ecuadorianische Musik, um dieses neue Musikinstrument fleissig zu trainieren.

Wie ich schon in meinem ersten Bericht schrieb, ist die Musik in Ecuador sehr wichtig. Im Oratorium sitzen junge Burschen mit der Gitarre auf einer Bank und singen selbstkomponierte Lieder und die Musikband kommt seit 30 Jahren jeden Sonntag hier zusammen, um gemeinsam die Sonntagsmesse zu gestalten. Die Musik verbindet und es ist schoen, auf einem fremden Kontinent Freunde der Musik zu treffen, da sie, ohne Ruecksicht auf Sprache, Mentalitaet, etc., zu deinen Freunden werden. Wenn es sonst hier in mancher Kinderleben nicht viel Schoenes gibt, die Musik bringt Freude, Gemeinschaft und spricht die Sprache der Seele.

Donnerstag, 10. Januar 2008

Expedition in den Oriente Ecuadors


Nach dem Besuch meiner Freundin Eva ging es am selben Tag noch auf eine Expeditionstour in den Oriente Ecuadors, die ein unvergessliches Erlebnis sein sollte!!

Gemeinsam mit meinen Voluntariatsfreundinnen Martha und Mónica startete ich die achtstuendige Busfahrt ueber die ecuadorianischen Anden in Richtung Mácas, wo wir eine Nacht verbrachten. Am naechsten Tag ging es weiter in die Stadt Puyo (drei Stunden von Mácas entfernt) zu einem dreitaegigen Voluntariatstreffen der VoluntaerInnen Ecuadors, zu dem ich eingeladen wurde :) Ueber 70 junge Menschen, die sich fuer 10 Monate bereiterklaeren, freiwillig in den Schwesterngemeinschaften Ecuadors mitzuarbeiten, mitzubeten, mitzuleben. Bei diesem Treffen wurde gelacht, in einem Schwimmbad unter freiem Himmel gebadet, gebetet, motiviert und viele Erfahrungen ausgetauscht - eine tolle Erfahrung!!



Die weiteren drei Tage verbrachte ich in Mácas, wo ich vormittags in der Mission Mónicas mithalf, nachmittags machten wir Ausfluege in umliegende Doerfer. So lernten wir Sevilla Don Bosco kennen, badeten unter einem Wasserfall Chiguazas und in Sucúa ging ich auf den Spuren der Sor Maria Troncatti, einer italienischen Missionarin, die in Sucúa ein Krankenhaus errichtete, jedoch bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Die Vegetation des Orientes ist atemberaubend. Aus dem fruchtbaren Boden spriessen Pflanzen aller Arten: Kakao, Kaffee, Bananen, Ananas, Papaya, Mango, Mandarinen,... und Blumen der verschiedensten Blueten und Farben. Vor allem aber beherrscht die gruene Farbe das Bild des Amazonastieflandes!!!

Dienstag, 1. Januar 2008

Meine Zeit mit EVA!!!



Ausflug auf den Chimborazo - den hoechsten Berg Ecuadors. Wir gingen bis zur 5000er-Grenze!!!






Unsere Heimat fuer fuenf Tage, unser Zimmer: hinten, 2. Tuer, rechts



Silvester in Riobamba, mit unserer Freundin Valeria, Trauben und brennenden Puppen!